Kunst im Dorf
Ein Modellprojekt der Gemeinde Hohenstein, gefördert vom Ministerium für Ernährung und ländlicher Raum Baden-Württemberg

Mit diesem Projekt sollen Wege zur Integration von Kunst in gemeindlichen Planungen aufgezeigt werden. Es geht darum neue Anknüpfungspunkte zu finden, zwischen der künstlerischen Arbeit und der Planung. Anlass für das Modellprojekt "Kunst im Dorf" der Gemeinde Hohenstein waren die geplanten Sanierungsmaßnahmen der Dorfentwicklungskonzeption im Teilort Ödenwaldstetten. Das Projekt steht im Kontext des Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum des Landes Baden-Württemberg. Die Kunst im Dorf soll dazu beitragen, die Identifikation der Bewohner mit dem Ort in Zeiten des Strukturwandels zu bestärken und die jeweilige Eigenart des Ortes in der Gestaltung des Dorfbildes zum Ausdruck zu bringen. Die Aufgabe der KünsterInnen war die Entwicklung und Präsentation einer, als Kunst im öffentlichen Raum realisierbaren künstlerischen Arbeit für die Ortslage Ödenwaldstetten unter Berücksichtigung von mindestens einem der zwei Planungszusammenhängen: der Ortsdurchfahrt und dem Freiraum vor und um das neue Rathaus (Dorfplatz).

(Auszug aus der Konzeption zum Modellprojekt "Kunst im Dorf")

Umfangreiche Informationen zum Modellprojekt bietet die Dokumentation und der Leitfaden "Kunst im Dorf", das von der Gemeide Hohenstein herausgegeben wurde.

Beteiligung von NERZ-KG am Projekt:
Nach einem Einführungskolloquium mit einer Präsentation unserer Arbeit für die Öffentlichkeit, folgten zwei fünftägige Aufenthalte in Hohenstein für die Recherche vor Ort und den Kontakt zur Bevölkerung. Wir entwickelten das Konzept "DorfPlatz" und präsentierten den Entwurf in Ödenwaldstetten. Es folgte die Jurierung und Ausstellung der Entwürfe.
Realisiert wurden die Entwürfe von Boris Sieverts und Ulrike Böhme.
Titel des Beitrags von NERZ-KG
Der Schwerpunkt unserer Arbeit lag auf der Erforschung von Schnittstellen zwischen Tradition und Modernität im Erscheinungsbild des Dorfes und dem Leben der Bevölkerung hinter der dörflichen Fassade. In Gesprächen mit der Bevölkerung kristallisierte sich heraus, dass es keine allgemein verbindlichen Strukturen mehr gibt, die das dörfliche Leben prägen. Insbesondere der Wunsch nach Kommunkation wurde in den verschiedensten Zusammenhängen formuliert. Durch den Rathausbau, das neue Bügerhaus und den geplanten Dorfplatz wurde eine Plattform angelegt, die diesem Bedürfnis entsprechen soll. Unsere Konzeption "DorfPlatz" greift diese neue Dorfmitte inhaltlich auf und stellt die Frage nach der Identifikation mit dem dörflichen Wohnort als Lebensraum. Das Projekt "Kunst im Dorf" setzte erste kommunikative Prozesse in Gang, die sich in unserer Platzgestaltung fortsetzen und materialisieren.
Teil 1: Bürgeraktion zur Dorfplatzgestaltung
Durch eine Befragung der Bevölkerung von Hohenstein ist eine Sammlung von Sätzen geplant, die sich auf die Qualität des Lebens im ländlichen Raum bezieht. Eine Auswahl dieser Sätze wird in Naturstein graviert und vor dem Bürgerhaus und Rathaus
als Bodenplatten verlegt.

Aktionsverlauf: Formulierung der konkreten Fragestellung für die Bevölkerung_Erste Sammlung von Sätzen mit der Projektgruppe Bevölkerung_Ein Computer mit der Fragestellung und den ersten Sätzen steht in der Eingangshalle des Rathauses für die weitere Sammlung bereit_Information der Bevölkerung über das Gemeindeblatt_Beteiligung der Bevölkerung an der Sammlung im Zeitraum von 4 Wochen_Verteilung der gesammelten Aussagen an die BewohnerInnen von Hohenstein_Abstimmung über die beliebtesten Aussagen_15 bis 17 Sätze werden in Natursteinplatten graviert.

Gravierte Steinplatten: Die gravierten Steinplatten werden im Eingangsbereich des Bürgerhauses und vor dem Rathaus verlegt. Sie schaffen eine Verbindung der durch die Landesstaße getrennten Seiten und stehen in der Tradition bedeutungs- und erinnerungsfunktionaler Schrifttafeln und Inschriften im öffentlichen Raum.
Der Dorfplatz
In unserem Kulturkreis spielen Plätze bereits seit der Antike eine wichtige Rolle im öffentlichen Leben. Sie sind Orte der Kommunikation, des Handels und der Politik. Gleich welcher Größe und Gestaltungsart tragen sie die Spuren der Vergangenheit und Gegenwart und bilden eine Art kollektives Gedächtnis der Stadt oder des Dorfes. Das Leben an sich prägt ihren Charakter.
Bei einem neu entstehenden Platz fehlt dieser Aspekt. Nicht selten ist das die Ursache, warum diese Plätze von der Siedlungsgemeinschaft nicht angenommen werden und verlassen ihr Dasein fristen. Durch die Einbeziehung der Bevölkerung von Hohenstein in die Dorfplatzgestaltung und durch die Verortung ihrer persönlichen Aussagen, entsteht eine erste Beziehung zum neuen Platz. Die Aktion bietet Anlass, diesen neu entandenen öffentlichen Raum im Besitz zu nehmen.
Sitzobjekt mit Wasserlauf
Ein zweckmäßiges Symbol für Dialog und Kommunikation stellt der Brunnen in unserem Entwurf auf dem Dorfplatz dar:
sieben Acrylglassitze im Halbrund an der Kreispflasterung, unter den Sitzen verläuft eine Rinne durch die das Wasser fließt. Es entspringt aus einem Stein an der einen Seite und versickert in einer mit Steinen ausgelegten Bodenvertiefung an der anderen Seite.
Die Assoziation an eine römische Latrine ist beabsichtigt, war sie doch damals der Ort für Dialog und Kommunikation.
Auch das moderne Sitzobjekt verweist auf diese Funktion:
Das Wasser des Brunnens fließt nicht immer. Die Sitze sind mit Mikroschaltern ausgestattet. Erst wenn zwei Sitze besetzt sind, wird der Wasserlauf in Gang gesetzt.